Die Presse meint dazu:
Südkurier vom 27.05.2003
Drollige Dummbeutel drehen auf
Alles Tomate: Das Theater Ravensburg tischt im Atrium "Dicke Dinger" auf Friedrichshafen


Bei Media Markt hätten Diddi (Markus Hepp) und Ritsch (Marco Ricciardo) keine Chance. Dort kommt nämlich nur rein, wer nicht blöd ist. Und blöd, das sind die beiden abgebrannten Existenzen bis über beide Ohren. Vor allem Ritsch ist dumm wie ein Brot, während Diddi immerhin so schlau ist, seinen Hohlraum zwischen den Ohren zu kaschieren - indem er sich über Ritschs Doofheit umso mehr aufregt.

Mit der Komödie "Dicke Dinger" haben die beiden Schauspieler unter der Regie von Uli Boettcher ein burleskes Kindertheater für ein erwachsenes Publikum auf die Beine gestellt, das sich auch über Laurel und Hardy gerne kringelig lacht.

Eine Bank wollen sie knacken, die beiden drolligen Dummbeutel. Schwer hat das Leben sie gezeichnet: Als ehemaliger Autor von Videorekordergebrauchsanleitungen macht Ritsch keinen Stich mehr, und Diddi wird von seinem "schmolllippigen, rothaarigen" Ex-Eheweib nur noch hinsichtlich der Finanzen bis auf die Unterhosen ausgezogen. Und doch lassen sich die beiden nicht unterkriegen. Warum auch, steht doch das Jenseits Pate bei dem großen Coup: Ritschs toter Onkel ersteht höchstpersönlich aus dem Grab, um den beiden klar zu machen, wie das "dicke Ding" zu drehen sei. Am Vorsatz, es auszuführen, fehlt es nicht: Schließlich hausen Ritsch und Diddi schon seit Jahren in einem Lagerraum und ernähren sich ausschließlich von abgelaufenen Dosentomaten. Was Hepp und Ricciardo auf sich nehmen, um als arme Schlucker authentisch zu wirken, ist imponierend und auch für die Zuschauer ein Härtetest: Mit spitzen Fingern fischen sie Tomaten aus der Dose, lassen sie im Mund verschwinden und wischen sich die triefenden Hände am Unterhemd ab. Aber so sehr Diddi und Ritsch auch gerne "ritsch" wären: Fürs Verbrechen sind sie nicht gemacht. Diddi verheddert sich bei den Vorbereitungen lieber in der Erinnerung an seine Verflossene, anstatt geradewegs aufs Ziel loszustürmen. Man merkt sich eines: Verglichen mit dem stählernen Herzen einer Frau ist ein Tresor so leicht wie eine morsche Nuss zu knacken.
Doch auch an morsche Nüsse kommt man nicht, ohne sich ordentlich nach dem Ast zu recken. Und so robben sich Ritsch und Diddi zur Probe in ihrer Lagerhalle wie hollywood- reife Meisterdiebe an den "Tresor" heran, winden sich durch eine Alarmanlage aus roten Laserstrahlen, die doch sehr an eine lasch gespannte Wäscheleine erinnert. Das Ende des Stückes ist so versöhnlich wie die Filme von Aki Kaurismäki: Die großen Träume zerschlagen sich, aber auch beim Backen kleiner Brötchen kann man glücklich werden. Die kleinen Brötchen, sie werden für Diddi und Ritsch von einem Toaster ausgespuckt, gerade in dem Moment, als sie fürchteten, sich mit ihrer tresorsprengenden Toaster-Bombe selbst in die Luft zu jagen.

Mag sein, dass der Volksmund recht hat und "Dummheit frisst". Aber mit Toastbrot schmeckt ihr der Dosentomatenaufstrich bedeutend besser.

Harald Ruppert




Südkurier vom 26.10.2002

Darauf eine Dosentomate!
Am Theater Ravensburg werden "Dicke Dinger" ausbaldowert

Es ist zum Tomatendosen-an-die-Wand-Schmeißen. Schlafanzughosen haben sie sich übergezogen. Einen Sexshop haben sie überfallen. Die ganze Kasse haben sie erbeutet. Die Tasche hatten sie voller Geld. Und zuhause: leer. Nur weil Ritsch den Fluchtwagen nicht im Halteverbot parken wollte und dann nicht mehr wusste, wo er ihn stattdessen abgestellt hatte. Sieben Kilometer schnell gerannt - aber dumm gelaufen. Die ganze Beute: futsch.

So kanns gehen. Und so geht's, wenn man Ritsch Ritschardelli und Diddi Heppone heißt, Hobby-Halunke ist und "Dicke Dinger" drehen will. "Dicke Dinger" - so heißt das neue Stück, das Markus Hepp und Marco Ricciardo zusammen mit Uli Boettcher, diesmal hinter den Kulissen regieführend tätig, fürs Theater Ravensburg ausbaldowert haben. "Dicke Dinger" - ein Gaunerkomödchen der netten Art.

Seit sechs Jahren leben Ritsch und Diddi in einer verlotten Lagerhalle und ernähren sich von (seit sechs Jahren) abgelaufenen Dosentomaten. Morgens Dosentomaten, mittags Tomatendosen, abends Dosentomaten und dazwischen auch. Die Nummer mit dem Sexshop ist schiefgegangen, wegen Parkgebühren. Das nächste dicke Ding muss her. Zum Glück hat Ritsch telepathische Kräfte (zumindest, wenn man ihm mit einem Telefonhörer über den Schädel haut), und Onkel Ritschardelli meldet sich mit einem brandheißen Tipp aus dem Jenseits ...

"Dicke Dinger" - da sind die zwei Schauspieler vom Theater Ravensburg in ihrem Element. Dürfen einfach komisch und ulkig und ein bisschen blöd sein. Dürfen über die Bühne kaspern, die Muckis spielen lassen, dürfen über Leitern stolpern und sich gegenseitig Wäscheklammern an Nase und Lippen zwicken. Und sie dürfen mit aller Räuberschläue kleine, feine Weisheiten des Lebens erzählen. Über Schwule und Gerichtsvollzieher. Und darüber, wie man Tomatendosen, Tresore und Frauenherzen knackt. "Alles nur eine Frage des richtigen Schlüssels." Ein Bankraub also. Der muss geübt werden. Ritsch und Diddi ziehen sich mit dem Pömpel die Fassade hoch und den Boden entlang, steigen über fiktive (Tomatendosen-ähnliche) Sensoren und umschleichen Lichtschranken. Zwei wie Dick und Doof, aber eben nicht dick und nur doof. Da üben sie und quatschen sie und streiten sie und reden um kaltes Tomatenpüree herum. Ein bisschen umständlich ist die Problemlöserei, ein bisschen zäh die Handlung, der Zuschauer braucht Geduld.

Aber die zwei Gaunerlein sind nett, Markus Hepp und Marco Ricciardo spielen halt komisch und gut und die tickende Bombe erweist sich als Toaster. Und Toast zu Tomate, finden Diddi und Risch, ist eine enorme Steigerung der Lebensqualität.

Alice Natter



Schwäbische Zeitung vom 30.10.2002

Das Frauenherz: ein Tresor, den es zu knacken gilt
"Dicke Dinger" im Theater Ravensburg

RAVENSBURG (phi) - Man nehme zwei Kleinganoven, ein leeres Konto, einen vollen Tresor und eine Bombe, forme das zum Plan eines Überfalls, füge geballten Wortwitz, Ironie und einen Schuss Metaphorik hinzu und fertig ist sie die explosive Gaunerkomödie Dicke Dinger im Theater Ravensburg.

Eine Komödie mit Kultcharakter von Regisseur Uli Boettcher: Bis zum 31. Oktober präsentieren sich Markus Hepp und Marco Ricciardo alias Diddi und Ritsch auf der Ravensburger Theaterbühne als zwei sympathische Kleinganoven auf der Jagd nach "Barem". Nicht zu unrecht, so stehen einem leeren Konto der Wunsch nach verbesserter Lebensqualität, die Forderungen von Diddis Ex-Frau Linda und - noch schlimmer - die des verfluchten Gerichtsvollziehers - kurz VGV - gegen-über.

Die somit heiß begehrten Dicken Dinger hoffen die beiden im Tresor der Zentralbank vorzufinden. Schliesslich prophezeite ihnen das Ritschs toter Onkel. Wie der leicht cholerische Diddi und sein schusseliger Kompagnon zuvor durch den gescheiterten Überfall auf einen Sex-Shop gelernt haben, be darf es dabei einer Planung bis ins kleinste Detail. So befassen sich die beiden liebenswerten Antihelden die folgenden zwei Stunden auf unterhaltsame Art und Weise damit, sich gebührend auf den Bruch vorzubereiten.

Besonders amüsant sind dabei die angeregten Diskussionen um die alltäglichen Dinge des Lebens. Auch Diddis philosophische Geniestreiche - angeregt durch den Gedanken an die schrnollmundige Linda, über die er offensichtlich nicht hinweqkommt - sorgen für den einen oder anderen Lacher. Der Stahltresor wird so schon mal zum Frauenherz und der Einbruchsplan zum Steckbrief weiblicher Eigenarten. So muss man (n) der Schlüssel zum Tresor sein, “lustig wie Mr. Bean, sexy wie Brad Pitt" und sich zudem auch noch “den Hintern mit Hakle Feucht abwischen". Nur so sei es, wie Diddi meint, möglich ein Herz zu knacken. Womit Ritsch - ganz in seinem Element - wieder mal an die Konzeption einer weiteren Gebrauchsanweisung denkt: Vielleicht “Frauenherzen in fünf Minuten öffnen, Band eins für Anfänger" ?

Das ohnehin unterhaltsame Stück gipfelt schließlich mit dem sich selbstständig machenden "Problemlösungsspezialrezept", das eigentlich das Gelingen des Coups garantieren sollte. Worum es sich hierbei handelt, wird an dieser Stelle nicht verraten, schließlich ist es “mindestens so geheim wie das Rezept von Coca Cola". Die Meinung der Besucher ist hingegen kein Geheimnis. "Gut war's, originell!", meint Angela Rettinger aus Bad Wurzach. “Da ist für jeden was dabei.", beschreibt Andi Mistele aus Weingarten die Vielschichtigkeit des Stücks. "Echt lustig!", strahlt Stefanie Markus aus Ravensburg.

Wer sich also für intelligenten Gaunerklamauk mit Wortwitz und Situationskomik begeistern kann, den erwarten rund zwei Stunden kurzweiliger Unterhaltung.